Interview Uwe Albrecht

Die Via Oeconomica geht in das zweite Jahr. Auch die Stadt Leipzig engagiert sich, welche Bedeutung hat für Sie dieser neue Wirtschaftspreis?

Uwe Albrecht: Aus meiner Sicht bietet die Vergabe des Preises eine sehr schöne Möglichkeit, traditionsreiche Unternehmen für Ihre Treue zum Standort und für ihre unternehmerischen Leistungen in einem würdigen Rahmen zu danken. Dabei liegt der Fokus nicht nur in der Vergangenheit, sondern ebenso  mit der Vergabe des Preises „Leipzig Kommt“ auf der zukünftigen Entwicklung unseres Wirtschaftstandortes.

Die Via Oeconomica zeichnet hauptsächlich Unternehmen aus, die schon lange in der Stadt aktiv sind. Warum ist Ihnen dies so wichtig?

Uwe Albrecht: Die Wirtschaft unserer Stadt wird überwiegend von kleinen und mittelständigen Unternehmen getragen. Traditionsreiche Unternehmen, welche sich immer wieder den neuen Marktbringungen anpassen, bilden das Grundgerüst. Ohne diese Unternehmen wären wir heute nicht einer der dynamischsten Wirtschaftsstandorte Europas. Ich habe einen hohen Respekt vor dieser oftmals über mehrere Generationen erbrachten hervorragenden Leistungen.

Welche Entwicklungen sehen Sie derzeit in der Leipziger Wirtschaft?

Uwe Albrecht: Derzeit steht in vielen Unternehmen ein Generationswechsel an. Neben den Herausforderungen, die ein erfolgreicher Wechsel mit sich bringt, bietet er auch Chancen im Sinne eines erneuten Wachstumsschubes.
Nachdem Leipzigs Wirtschaft Anfang der 2000 Jahre durch große Ansiedlungen einen impulsartigen Anstieg erfuhr, wächst derzeit der Standort vornehmlich durch Gründungen und den Ausbau der hier ansässigen Unternehmen. Dies wird sich für die nächsten Jahre fortsetzen und über umfangreiche Maßnahmen der Gründungs- und Bestandsförderung der Stadt unterstützt.

Wo sehen Sie die Leipziger Wirtschaft in 10 Jahren? Was wünschen Sie sich für die wirtschaftliche Entwicklung?

Uwe Albrecht: Ich wünsche mir Leipzig als etablierten Industrie- und Technologiestandort, mit regen nationalen und internationalen Handelsbeziehungen. In 10 Jahren haben wir die Wertschöpfung signifikant gesteigert, die Lebensqualität des Einzelnen erhöht und die Arbeitslosenzahl bei wachsender Bevölkerungszahl weiter gesenkt, dies bedeutet ein Zuwachs an Arbeitsplätzen von ca. 50.000 bis zum Jahr 2025. Ich fordere Jeden dazu auf sich zu beteiligen und den Wirtschaftsstandort voranzubringen.

Interview Torsten Bonew

Die Via Oeconomica geht in das zweite Jahr. Auch die Stadt Leipzig engagiert sich, welche Bedeutung hat für Sie dieser neue Wirtschaftspreis?

Mit der „Via Oeconomica“ verbinde ich die wichtige Botschaft, dass es vor allem die heimische Wirtschaft ist, der eine Stadt ihre Vitalität verdankt. Der Wirtschaftspreis lenkt den Blick auf die Macher vor Ort, die oftmals seit vielen Jahren und über mehrere Generationen für Beschäftigung und Wachstum in Leipzig sorgen. Dabei sind viele der Unternehmen auch noch hoch innovativ, geheime Weltmarktführer oder gehen beim Thema Fachkräftebindung und Personalentwicklung voran. Zu guter Letzt ehrt die „Via Oeconomica“ diejenigen, die insbesondere mittels der Gewerbesteuer einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung unserer Stadt leisten. Das freut den Kämmerer natürlich besonders.

Die Stadt Leipzig gehört zu den Städten mit dem höchsten Bevölkerungswachstum in Deutschland, welche Chancen und Risiken sehen sie als Kämmerer dieser Stadt bei der Entwicklung?

In Zeiten, in denen viel von demographischem Wandel und Schrumpfung die Rede ist, darf man sich über das Bevölkerungswachstum in Leipzig natürlich zunächst einmal freuen. Dies gilt umso mehr, als dieses Wachstum nicht aus der Schrumpfung des Umlandes erwächst, sondern auf dem Zuzug aus ganz Deutschland und Europa und einem perspektivisch anhaltenden Geburtenzuwachs basiert. All diese Faktoren bergen erhebliche Chancen, nicht zuletzt auch für die wirtschaftliche Entwicklung. In Leipzig verdichtet sich ein Potential an Köpfen, Kreativität und Unternehmungsgeist, wie es seinesgleichen sucht. Dennoch stellt es uns als Stadt vor die große Herausforderung, mit der Infrastruktur Schritt zu halten und auch die Verwaltung so aufzustellen, dass sie das Aufgabenwachstum bewältigen kann. Aktuell führt diese Entwicklung dazu, dass unsere Aufwendungen ungefähr doppelt so schnell wachsen wie unsere Erträge. Daher sehe ich die Gestaltung des Bevölkerungswachstums in urbanen Zentren wie Leipzig als eine gesamtstaatliche Aufgabe an, deren Lösung auch Bund und Land betrifft.

Schauen wir in die Zukunft, wo steht Leipzig in 10 Jahren?

Ich wünschte, es gäbe die berühmte Glaskugel, um zur Beantwortung dieser Frage hineinzuschauen. Wichtiger ist aber die Frage, welche Ziele wir uns für die nächsten 10 Jahre setzen. Hier muss aus meiner Sicht die Übersetzung des Bevölkerungswachstums in wirtschaftliches Wachstum an oberster Stelle stehen. Es muss uns gelingen, dass gerade die bei uns ansässige Wirtschaft mitwächst und den Erfolgsgeschichten der Preisträger noch viele andere folgen. Wir brauchen nicht nur Neugründungen und Neuansiedlungen, sondern vor allem auch Wachstum im Bestand der Unternehmen. Aus guten Gründen liegt es aber nicht in der Hand von Verwaltung und Politik, diese Prozesse zu steuern. Wohl aber ist es Aufgabe der Stadt, die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen und den richtigen Rahmen zu setzen. Das fängt bei der Bevorratung von Flächen für Unternehmensentwicklung an und hört bei schlanken Verwaltungsprozessen und einer Dienstleistungsmentalität auf. Auf diesen Weg begeben wir uns.

Die Interviews führte unser Pressesprecher René Falkner

Jurybesprechung


Jurybesprechung